Sudankrieg: Verlauf & aktuelle Lage

Der Bürgerkrieg im Sudan zählt laut der Emergancy-Watchlist von International Rescue Committee (IRC) zu den am meisten übersehenen humanitären Krisen der Welt, obwohl Aktivist*innen in den Medien immer wieder auf die Lage in dem afrikanischen Land Aufmerksam machen und Regierungen zum Handeln auffordern. Doch was genau passiert gerade im Sudan und wie ist es dazu gekommen?

„Im Sudan spielt sich derzeit eine der schlimmsten humanitären Krisen weltweit ab“ (UNHCR).

Am 15. April 2023 brach ein Konflikt zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) aus, der schnell in einem bis heute anhaltenden Bürgerkrieg mündete. Beiden Parteien wird vorgeworfen das internationale humanitäre Recht zu missachten und massive Menschenrechtsverletzungen gegen die Zivilbevölkerung zu begehen. Trotz der enormen Präsenz der Kriegsparteien, besonders der RSF, in den Sozialen Medien, bleibt eine konstante Berichterstattung, die Bereitstellung von ausreichenden Hilfsgütern und der Einsatz für die Beendigung des Krieges aus.

Wie ist es zum Bürgerkrieg gekommen und wer sind die Akteure?

Der Krieg im Sudan findet hauptsächlich zwischen zwei Parteien statt. Auf der einen Seite stehen die Sudanese Armed Forces (SAF), die ursprünglich reguläre Armee des Landes. Angeführt von Abdel Fattah Al Burhan, kontrolliert sie den Norden und Osten des Landes mit Port Sudan als Hauptstadt. Auf der anderen Seite stehen die Rapid Support Forces (RSF), angeführt von Mohammed Hamdan Daglo, die von Darfur aus operiert. Die 2013 gegründete RSF ist keine reguläre, einheitliche Armee, sondern eine paramilitärische Gruppe. Gegründet wurde die RSF von dem ehemaligen Präsidenten al-Baschir (1989-2019), um seine Macht zu sichern und gegen Aufstände vorzugehen.

Am 11. April 2019 wurde al-Baschir durch das Militär aufgrund anhaltender Proteste der Bevölkerung wegen einer von ihm angestrebten verfassungswidrigen dritten Amtszeit gestürzt. Daraufhin übernahmen sowohl Akteure der SAF als auch der RSF Positionen in der Übergangsregierung des Sudans. Doch Machtkämpfe um politischen Einfluss zwischen Burhan und Daglo führten am 15. April 2023 zum Beginn des Krieges.

Durch ihr Handeln tragen beide Kriegsparteien zur Zerstörung und Spaltung des Landes bei, missachten humanitäres Recht und begehen Menschenrechtsverletzungen an der Zivilbevölkerung.

Folgen für die Zivilbevölkerung

Die Zivilbevölkerung bleibt vom Krieg nicht verschont. Der Alltag der Menschen ist geprägt von Gewalt, Angst und Vertreibung. Angriffe, sexualisierte Gewalt und Massaker sind üblich, besonders gefährdet sind Frauen und Mädchen.

  • Schätzungsweise über 150.000 Menschen sind seit 2023 bereits getötet worden.
  • Von den 52 Millionen Einwohner*innen des Sudan sind etwa 21 Millionen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen.
  • Mehr als 30 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter 16 Millionen Kinder.
  • 13 Millionen Menschen mussten in andere Regionen des Landes oder Nachbarländer fliehen. Die bereitgestellten Geflüchtetenunterkünfte sind überfüllt und die mangelnde Versorgung und Infrastruktur führt auch dort zu lebensgefährlichen Bedingungen.

Zudem kommt es zu ethnisch motivierten Angriffen, wie das von der mehrheitlich arabischen RSF verübte Massaker an den Masalit 2023, die Teil der nicht-arabischen Bevölkerung sind.

Darüber hinaus ist das Gesundheitssystem zusammengebrochen, viele Einrichtungen wurden zerstört. 75 Prozent der Notfallstationen für die Bereitstellung von Lebensmitteln und die Sicherung von medizinischer Versorgung mussten ebenfalls aus Mangel an Ressourcen schließen. Gleichermaßen wurde ein Großteil der Infrastruktur und der landwirtschaftlichen Flächen des Landes zerstört.

Internationale Akteure & wirtschaftliche Profite

Sowohl die RSF als auch die SAF waren ursprünglich schwache militärische Akteure ohne breite Basis. Die Ausmaße und die Auswirkungen des Krieges für die Bevölkerung und das Land sind ausschlaggebend beeinflusst durch ausländisches Mitwirken. Gold, Erdöl und Agrarprodukte, sowie strategische Interessen, aufgrund der geografischen Lage des Sudans am Roten Meer, sind Interessen der internationalen Akteure. Im Tausch von Rohstoffen, Kontrolle über fruchtbares Ackerland und politische Einflussnahme auf den Sudan werden die beiden Kriegsparteien mit Waffen und Geld versorgt.

Die SAF wird von dem langjährig verbündeten Ägypten unterstützt, sowie vom Iran, der Türkei, Saudi-Arabien und Katar. Waffen aus Russland und China werden beispielsweise aus Katar geliefert. Für die RSF stellen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), durch vergangene gemeinsame Militäroperationen, den bedeutendsten Verbündeten dar. Russland soll ebenfalls Waffen an die RSF geliefert haben und ist damit in Kontakt mit beiden Kriegsparteien.

Der Anstieg der Rohstofflieferungen zeigt, dass die internationalen Akteure enorm von dem Krieg profitieren. Sowohl wirtschaftlich als auch politisch scheint der Krieg für sie von Vorteil:

Für diejenigen, die die Konfliktparteien im Sudan mit Waffen beliefern, kann ein Krieg ebenso lukrativ sein wie Frieden, zumal sich ein zersplitterter und zerrissener Sudan leichter beeinflussen lässt.“

(Joshua Craze)

Die Rolle der EU und Deutschlands im Sudankrieg

Die EU und Deutschland beteiligen sich bisher nicht aktiv an dem Krieg, haben jedoch passiv zu der Entwicklung beigetragen. Zum einen wurde die RSF 2015 mit Geldern und Ausrüstung für Grenzschutzprogramme im Westen des Sudans, der Einsatzregion der RSF, direkt gestärkt, um Migration nach Europa abzuwehren. Dies verschaffte der RSF Einfluss und Ressourcen. Zum anderen wurde festgestellt, dass die RSF auch aktuell mit Rüstungsgütern aus Deutschland arbeitet. Auf Videos und Bilder in den Sozialen Medien konnten Gewehre aus Deutschland identifiziert werden. Wie die Waffen in den Sudan gelangen konnten, ist ungeklärt. Offiziell besteht seit 1994 ein EU-Embargo für Waffenlieferungen an den Sudan. Die Lieferung über andere Länder ist ebenfalls verboten. Weiterhin wurden Verteidigungssysteme und Elemente aus England, Frankreich und Bulgarien gesichtet.

Die aktuelle Lage Ende 2025 & Ausblick

Über ein Jahr hat die RSF Al-Faschir, die Hauptstadt des sudanesischen Bundesstaates Schamal Darfur im Südwesten des Sudans, belagert und bombardiert. Bis dahin war es die letzte Stadt, die dem Krieg noch nicht zum Opfer gefallen war. Im Oktober 2025 zog sich die SAF aus der Stadt zurück, um sich selbst und die Stadt vor weiterer Zerstörung zu schützen. Tausende Menschen sind aus der Stadt geflüchtet. Die RSF hat die Häuser geplündert und Gewalt an der Bevölkerung verübt. Weiterhin sitzen Hundertausende Menschen in Al-Faschir fest. Die Gewalt richtet sich insbesondere gegen die nicht-arabische Bevölkerung und verdeutlich damit die ethnischen Konflikte im Sudan. Nach mehr als zweieinhalb Jahren seit Kriegsbeginn gibt es weder lokale noch globale Lösungsansätze für den Krieg.

Quellen

Deutsche Welle: Sudan: Die Rolle ausländischer Mächte im Krieg (November 2025)

Deutsche Welle: Sudan: Führt internationaler Druck zum Waffenstillstand? (Dezember 2025)

International Rescue Committee: 10 Krisen, die die Welt 2025 nicht ignorieren darf (Dezember 2025)

ProAsyl: Im Sudan tobt ein globaler Krieg – und keiner schaut hin (November 2025)

Rosa Luxemburg Stiftung: Sudans Weltkrieg (Mai 2025)

Tagesschau: Auch deutsche Rüstungsgüter im Sudan? (November 2025)

Beitragsbild: Heute.at (Dezember 2025)

Verfasst am 18. Dezember 2025

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