Kritische Rohstoffe – auf Englisch Critical Raw Materials (CRMs) – sind heute aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Sie stecken in vielen Gegenständen, die wir täglich nutzen: z.B. in Smartphones, Laptops, Batterien oder Elektroautos. Rohstoffe wie Lithium, Kobalt oder Kupfer sind besonders wichtig für neue Technologien, zum Beispiel für erneuerbare Energien oder digitale Geräte. Sie spielen somit eine zentrale Rolle im Übergang zu einer klimafreundlicheren und digitalisierten Wirtschaft. Deshalb steigt die Nachfrage nach diesen Rohstoffen weltweit immer weiter an. Welche Rohstoffe sind kritische Rohstoffe? Als „kritisch“ gelten Rohstoffe insbesondere dann, wenn sie zwei Bedingungen erfüllen: Sie sind essenziell für wichtige Technologien oder die Wirtschaft, und gleichzeitig besteht die Gefahr, dass ihre Lieferketten gestört werden können – etwa durch politische Konflikte oder begrenzte Vorkommen. Viele dieser Rohstoffe werden vor allem für Zukunftstechnologien benötigt, zum Beispiel für Solar- und Windenergie, Elektroautos oder Batteriespeicher. Dazu gehören unter anderem Lithium, Kobalt, Kupfer oder seltene Erden. Vorkommen in Afrika Viele Länder Afrikas verfügen über große Vorkommen kritischer Rohstoffe. Sie sind deshalb ein wichtiger Teil der globalen Versorgung. Die stark steigende Nachfrage, insbesondere durch den weltweiten Umstieg auf erneuerbare Energien, bringt für Afrika sowohl Chancen als auch Risiken mit sich. Denn insgesamt liegen etwa 30 Prozent der weltweiten Reserven an kritischen Rohstoffen auf dem afrikanischen Kontinent. Besonders wichtig sind dabei Rohstoffe wie Kobalt, Lithium oder Chrom. So kommen beispielsweise rund 47 Prozent der weltweiten Kobaltreserven aus Afrika, vor allem aus der Demokratischen Republik Kongo. Kobalt wird unter anderem für Batterien in Elektroautos benötigt. Auch Lithium, das eine zentrale Rolle für Energiespeicher spielt, kommt in mehreren afrikanischen Ländern wie Simbabwe, Namibia oder Ghana vor, wenn auch in geringeren Mengen im globalen Vergleich. Ein weiteres Beispiel ist Chrom: Etwa 80 Prozent der weltweiten Vorkommen befinden sich in Afrika, insbesondere in Südafrika. Es wird unter anderem für die Herstellung von Edelstahl genutzt. Chancen für Wertschöpfung und wirtschaftliche EntwicklungDer steigende globale Bedarf an kritischen Rohstoffen bietet afrikanischen Ländern grundsätzlich große wirtschaftliche Chancen. Da Afrika über einen bedeutenden Anteil dieser Ressourcen verfügt, kann der Kontinent eine wichtige Rolle in der globalen Energie- und Technologiewende einnehmen. Durch den Abbau und Handel dieser Rohstoffe können Einnahmen erzielt, Arbeitsplätze geschaffen und wirtschaftliches Wachstum gefördert werden. Besonders großes Potenzial besteht darin, nicht nur Rohstoffe zu exportieren, sondern sie auch vor Ort weiterzuverarbeiten. Dadurch bestünde die Möglichkeit, mehr Wertschöpfung im Land zu halten und neue Industrien aufzubauen.Voraussetzung dafür ist, dass die Länder geeignete Strategien entwickeln, faire Verträge über Abbaurechte und Gewinnbeteiligung mit Bergbauunternehmen aushandeln und nachhaltige Abbaumethoden umsetzen. Südafrika hat im Mai 2025 bereits solch eine Rohstoffstrategie für kritische Mineralien vorgestellt. Ziel ist es, durch bessere geologische Daten und Investitionsanreize neue Lagerstätten zu stärken, sowie die lokale Verarbeitung zu fördern. Somit ließe sich einerseits die inländische Wertschöpfung steigern und gleichzeitig könnten neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Critical Minerals and Metals Strategy for South Africa sieht zudem vor, Forschung und Entwicklung auszubauen, um Innovationen zu ermöglichen und technologische Abhängigkeiten zu reduzieren. Geopolitische, ökologische und soziale Herausforderungen Der wachsende Bedarf an kritischen Rohstoffen bringt für Afrika nicht nur Chancen, sondern auch große Herausforderungen mit sich. Eine Studie wie The Race for Critical Minerals in Africa: A Blessing or Another Resource Curse? (J. Boafo et al.), die sich unter anderem mit dem Lithiumabbau in Afrika befasst, zeigt, dass der aktuelle Wettlauf um diese Rohstoffe vor allem den wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen von Industrieländern wie den USA, der EU und China dient – weniger jedoch den afrikanischen Ländern selbst. Der Abbau der Rohstoffe hat zudem häufig negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft. Dazu gehören der Verlust von Biodiversität, die Zerstörung von Lebensräumen sowie die Vertreibung lokaler Bevölkerungsgruppen. Auch Konflikte, Korruption und illegale Aktivitäten im Rohstoffsektor nehmen in einigen Regionen zu. Ohne eine nachhaltige Planung sowie klare regulatorische Rahmenbedingungen auf Ebene der Afrikanischen Union und der einzelnen Staaten besteht die Gefahr, dass Afrika langfristig mehr Nachteile als Vorteile aus dem Rohstoffabbau zieht. Statt wirtschaftlichem Vorteil könnte so eine neue Form des sogenannten “Ressourcenfluchs” entstehen. Dieser beschreibt, dass Rohstoffreichtum nicht automatisch zu wirtschaftlichem Wachstum führt, sondern unter bestimmten institutionellen Bedingungen sogar negative Effekte haben kann (weitere Informationen dazu hier). QuellenBoafo et. al.: The race for critical minerals in Africa: A blessing or another resource curse?, in: Resources Policy Volume 93 (Juni 2024) DW: Wie kritische Rohstoffe Instabilität in Afrika schüren (September 2025) GTAI: Südafrika treibt Reformen im Bergbausektor voran (November 2025) Africa Business Guide: Schlüsselrolle: Afrikas Bedeutung bei den kritischen Rohstoffen (August 2025) Beitragsbild: ©Per Arne Wilson, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (April 2007) Verfasst am 16. April 2026