Eine legendäre Herrscherin, die bis heute als Symbol weiblicher Selbstbestimmung gilt. Eine Friedensnobelpreisträgerin, die mit dem Pflanzen von Bäumen eine soziale Bewegung ins Leben rief. Und eine Jugendliche, die aus landwirtschaftlichen Abfällen nachhaltige Menstruationsprodukte entwickelt. Drei Frauen, drei Epochen, drei ganz unterschiedliche Wege, gesellschaftliche Veränderung anzustoßen. Königin Araweelo (Somalia): Eine Legende weiblicher Stärke In der somalischen Gesellschaft spielt die mündliche Überlieferung eine wichtige Rolle in der Weitergabe von Geschichte, Wissen und kulturellen Erzählungen. Auch die Geschichte von Königin Araweelo wird in Somalia und am Horn von Afrika seit Generationen mündlich weitererzählt. Den Überlieferungen zufolge herrschte sie um das Jahr 15 n. Chr. in Somalia. Ob Araweelo wirklich gelebt hat oder ob ihre Geschichte im Laufe der Zeit mit mythischen Elementen angereichert wurde, lässt sich heute nicht mehr eindeutig sagen. Auch gibt es verschiedene Versionen ihrer Geschichte. Einig sind sie sich darin, dass Araweelo eine mächtige Herrscherin war, die sich gegen eine von Männern dominierte Gesellschaft stellte. Sie sah Frauen als die besseren Friedensstifterinnen und Anführerinnen, da Kriege und Konflikte ihrer Ansicht nach vor allem von Männern ausgingen. Einer bekannten Erzählung zufolge widersprach ihr Ehemann ihrer Vorstellung, dass Frauen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen sollten. Araweelo reagierte darauf, indem sie alle Frauen im Land dazu aufrief, ihre häuslichen Aufgaben niederzulegen, woraufhin die Männer diese übernehmen mussten. Ein Streik vor 2.000 Jahren also? Ob die Episode auf ein tatsächliches historisches Ereignis zurückgeht, lässt sich nicht feststellen. Die Erzählung beschreibt jedoch eine Form kollektiver weiblicher Selbstorganisation und des Protests gegen bestehende Machtverhältnisse. Ihr Vermächtnis ist bis heute umstritten, denn manche Überlieferungen erzählen auch von großer Härte gegenüber Männern. Für viele Menschen, insbesondere für somalische Frauen, ist sie dennoch ein Symbol für Stärke und weibliche Selbstbestimmung. Wangarĩ Maathai (Kenia): Bäume pflanzen für Frieden und Gerechtigkeit Wangarĩ Maathai wurde 1940 in Nyeri, Kenia, geboren. Sie war die erste Frau in Ost- und Zentralafrika, die einen Doktortitel erwarb, und später die erste Frau in der Region, die an der Universität Nairobi einen Fachbereich leitete. Schon früh setzte sie sich dafür ein, Wissen und Bildung für gesellschaftliche Veränderung zu nutzen. Bekannt wurde sie vor allem durch das Green Belt Movement, welches sie in den 1970er Jahren gründete. Die Idee war einfach und wirkungsvoll zugleich: Frauengruppen pflanzen Bäume, schützen so die Umwelt vor Abholzung und Bodenverlust und verbessern gleichzeitig ihre eigenen Lebensbedingungen. Was mit dem Pflanzen von Bäumen begann, entwickelte sich zu einer breiten Bewegung, die wirtschaftliche, soziale und politische Fragen miteinander verband. Auf diese Weise wurden über 30 Millionen Bäume gepflanzt, und ähnliche Initiativen entstanden in vielen weiteren afrikanischen Ländern. Für Maathai ging es dabei um mehr, als um Umweltschutz. Sie setzte sich außerdem für Demokratie und Menschenrechte ein, saß im kenianischen Parlament und war stellvertretende Umweltministerin. 2004 erhielt sie als erste afrikanische Frau den Friedensnobelpreis für ihren Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung, Demokratie und Frieden. Maathai verstarb 2011. Bis heute wirkt ihr Engagement nach: Das Pflanzen von Bäumen wurde durch ihre Arbeit zu einem Symbol dafür, wie Umweltschutz, gesellschaftliche Teilhabe und der Einsatz für gerechtere Lebensbedingungen zusammengehören. Raheema Auwal-Panti (Nigeria): Binden aus Agrarabfällen Raheema Auwal-Panti aus Minna in Nigeria war gerade einmal 15 Jahre alt, als sie ihr Projekt ins Leben rief. Für viele Frauen in Nigeria ist es nicht selbstverständlich, Zugang zu Menstruationsprodukten wie Binden zu haben. Hinzu kommt ein Umweltproblem: Herkömmliche Binden bestehen zu einem großen Teil aus Plastik und brauchen Hunderte Jahre, um sich zu zersetzen. Raheema entwickelte deshalb biologisch abbaubare Binden, für die sie landwirtschaftliche Abfälle wie Maniokschalen, Bananenblätter und Maishüllen verwendet, die in Nordnigeria in großen Mengen anfallen. Aus Materialien, die sonst als Abfall zurückbleiben, entsteht so eine nachhaltigere Alternative zu herkömmlichen Menstruationsprodukten. 2025 gründete sie dafür das Projekt „PantiPads“. Mit ihrer Idee schaffte sie es 2026 unter die 35 ausgewählten Projekte des internationalen Jugend-Umweltwettbewerbs Earth Prize. Langfristig möchte sie eine lokale Produktion aufbauen und damit ihre Idee weiterentwickeln. Dieser Artikel ist inspiriert vom Instagram-Format „Faces you should know“ (@womensafrika). Quellen Mongabay: A Nigerian teen is turning agricultural waste into biodegradable sanitary pads (2026) The Washington Post: Queen Arawelo (2019) The Nobel Prize: Wangari Maathai (2026) University of Nairobi: About Prof. Wangari Maathai