Gesundheit und der Zugang zu medizinischer Versorgung sind weltweit ungleich verteilt. 4,6 Milliarden Menschen – fast die Hälfte der Weltbevölkerung – haben keinen Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten. Das zeigt der Global Monitoring Report 2025 von WHO und Weltbank. Besonders schwierig ist der Zugang für Menschen, die durch soziale, wirtschaftliche oder geografische Bedingungen benachteiligt werden. Dazu gehören unter anderem Menschen in Armut, Menschen in ländlichen und abgelegenen Regionen sowie Frauen, Kinder und Jugendliche.Dabei ist schon einiges passiertGleichzeitig hat sich weltweit viel verändert. Die Gesundheitsversorgung ist heute in vieler Hinsicht besser als noch vor wenigen Jahrzehnten. Die weltweite Lebenserwartung stieg zwischen 2000 und 2019 von durchschnittlich 66,8 auf 73,1 Jahre. Auch die Überlebenschancen von Kindern haben sich deutlich verbessert: Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren sank seit 1990 um rund 60 Prozent – von 93,5 auf 37,4 Todesfälle je 1.000 Lebendgeburten im Jahr 2024. Impfungen haben dabei eine entscheidende Rolle gespielt: Seit dem Start des globalen Impfprogramms der WHO im Jahr 1974 haben sie schätzungsweise mindestens 154 Millionen Menschenleben gerettet.Diese Entwicklungen zeigen: Globale Gesundheit kann positiv verändert werden. Wissen, medizinischer Fortschritt, politische Entscheidungen und der Zugang zu Ressourcen können Leben retten und die Gesundheit von Menschen verbessern. Doch von diesen Fortschritten profitieren nicht alle Menschen gleichermaßen.Gesundheit hängt von Lebensbedingungen und Zugang zu Versorgung abOb Menschen gesund leben können, wird von vielen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören die Bedingungen, unter denen sie aufwachsen, leben und arbeiten: Ernährung, sauberes Wasser und Sanitärversorgung, Bildung und Wissen, gesellschaftliche Normen und Geschlechterverhältnisse ebenso wie Klima, politische Stabilität und Sicherheit.Wo Gesundheitsangebote schwer erreichbar oder nicht bezahlbar sind, können Krankheiten häufiger unerkannt oder unbehandelt bleiben. Besonders deutlich wird das in ländlichen und abgelegenen Regionen. In der WHO-Afrikaregion wird bis 2030 ein Mangel von rund 5,85 Millionen Gesundheitsfachkräften erwartet. Lange Wege und fehlende finanzielle Mittel können den Zugang zusätzlich erschweren. Eine Untersuchung von Gesundheitsdaten aus 25 Ländern Subsahara-Afrikas zeigt dies am Beispiel der Muttergesundheit: Frauen in ländlichen Regionen hatten eine um 28 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, die gesamte Versorgungskette von Schwangerschaftsvorsorge, Geburtshilfe und Nachsorge in Anspruch zu nehmen als Frauen in städtischen Gebieten.Krisen verschärfen gesundheitliche UngleichheitenAuch Klimakrise, Konflikte und Vertreibung können gesundheitliche Ungleichheiten verschärfen und bedingen sich dabei häufig gegenseitg. Der Klimawandel wirkt sich durch Hitze, Überschwemmungen, Dürren und andere Extremwetterereignisse aus. Gleichzeitig kann er Ernährung und Wasserversorgung beeinträchtigen, die Ausbreitung von Infektionskrankheiten verändern und Gesundheitsinfrastruktur und -versorgung unterbrechen. Besonders betroffen sind Menschen in Regionen, die nur begrenzte Möglichkeiten haben, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen.Kriege und bewaffnete Konflikte gefährden die Gesundheit ebenfalls auf vielfältige Weise. Gesundheitseinrichtungen können beschädigt oder zerstört, medizinisches Personal an seiner Arbeit gehindert und Lieferketten für Medikamente und medizinisches Material unterbrochen werden. Die WHO berichtet, dass rund 80 Prozent ihres humanitären Einsatzes und 70 Prozent der von ihr bearbeiteten Krankheitsausbrüche fragile und von Konflikten betroffene Situationen betreffen. Auch Menschen, die aufgrund von Konflikten oder der Klimakrise ihre Heimat verlassen müssen, leben häufig unter Bedingungen, in denen der Zugang zu Wasser, Nahrung, Sanitärversorgung und medizinischer Versorgung eingeschränkt ist. Im Sudan beispielsweise waren Ende 2024 infolge des seit 2023 andauernden Krieges 15 Millionen Menschen vertrieben. Zugleich waren nur 38 Prozent der untersuchten Gesundheitseinrichtungen vollständig funktionsfähig.Gesundheit ist deshalb nicht nur eine medizinische Frage. Sie ist auch eine Frage von Lebensbedingungen, gesellschaftlicher Teilhabe und globaler Gerechtigkeit.Der Anspruch, allen Menschen ein gesundes Leben zu ermöglichen, ist international verankert. Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte formuliert das Recht auf einen Lebensstandard, der Gesundheit und Wohl gewährleistet. Auch das Nachhaltigkeitsziel 3 der Agenda 2030 setzt sich dafür ein, ein gesundes Leben für alle Menschen zu ermöglichen und das Wohlergehen aller Menschen jeden Alters zu fördern. Zwischen diesem Anspruch und der Realität besteht jedoch weiterhin eine große Lücke.Gemeinsam Gesundheit vor Ort stärkenDiese Lücke lässt sich nicht mit einem einzigen Ansatz schließen. Gesundheit zu stärken kann bedeuten, medizinische Behandlung zu ermöglichen, Krankheiten vorzubeugen oder Gesundheitswissen zu vermitteln. Es kann ebenso bedeuten, sauberes Wasser bereitzustellen, Ernährung zu sichern, die Gesundheit von Müttern und Kindern zu fördern oder Menschen dabei zu unterstützen, selbstbestimmt über ihre Gesundheit und ihren Körper zu entscheiden.Unsere Mitgliedsorganisationen setzen genau hier an. Gemeinsam mit ihren Partner*innen vor Ort stärken sie Gesundheit auf ganz unterschiedliche Weise. Die folgenden Projekte zeigen, wie vielfältig diese Ansätze sind: Von medizinischer Versorgung und dem Aufbau von Gesundheitsinfrastrukturen über Mutter-Kind-Gesundheit und sexuelle Aufklärung bis hin zu sauberem Wasser und Hygiene. Islamic Relief Deutschland in Somalia: Zugang zu Gesundheitsversorgung stärken In Somalia erschweren Konflikte, Vertreibung, Ernährungsunsicherheit und wiederkehrende Krisen den Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung. Besonders betroffen sind Kinder sowie schwangere und stillende Frauen. Unsere Mitgliedsorganisation Islamic Relief Deutschland unterstützt gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen den Zugang zu reproduktiver Gesundheitsversorgung, medizinischen Dienstleistungen und Ernährungsprogrammen. Ein digitales Gesundheitskartensystem soll dabei helfen, die Versorgung gezielter zugänglich zu machen. Erfahren Sie mehr über das Projekt und darüber, wie Gesundheits- und Ernährungsversorgung für benachteiligte Bevölkerungsgruppen gestärkt wird. Bild: © Islamic Relief ChildFund im Senegal: Wissen und Aufklärung für sexuelle und reproduktive Gesundheit Menstruation ist ein natürlicher Teil des Lebens – und trotzdem sind viele Mädchen und junge Frauen noch immer mit Tabus und fehlender Aufklärung konfrontiert. Unzureichende Informationen, fehlende Hygieneangebote und gesellschaftliche Stigmatisierung können dazu führen, dass Mädchen während ihrer Menstruation nicht zur Schule gehen oder an sozialen Aktivitäten teilnehmen. Unsere Mitgliedsorganisation ChildFund setzt deshalb im Senegal gemeinsam mit Partnern vor Ort auf Aufklärung und bessere Rahmenbedingungen: Jugendliche und junge Erwachsene erhalten Informationen zu Menstruation, Sexualität und reproduktiver Gesundheit, während auch Gesundheitspersonal und Lehrkräfte geschult werden. Ergänzend werden der Zugang zu Hygieneprodukten und die medizinische Versorgung verbessert. Erfahren Sie mehr über das Projekt und darüber, wie Wissen und Aufklärung zu mehr gesundheitlicher Selbstbestimmung beitragen können. Bild: © ChildFund Deutschland Stiftung der Deutschen Lions in Sambia: Sauberes Wasser und bessere Hygiene Sauberes Wasser, sichere Sanitäranlagen und gute Hygiene sind grundlegende Voraussetzungen für Gesundheit. In dicht besiedelten und strukturell benachteiligten Vierteln von Kitwe ist der Zugang dazu jedoch für viele Menschen nicht selbstverständlich. Unsere Mitgliedsorganisation Stiftung der Deutschen Lions setzt deshalb gemeinsam mit ihrem lokalen Partner Habitat for Humanity Zambia auf nachhaltige WaSH-Maßnahmen: Brunnen und Wasserversorgung werden verbessert, sichere Sanitäranlagen geschaffen und Menschen vor Ort zu Hygiene und Gesundheit geschult. Dabei geht es nicht nur um den Bau von Infrastruktur. Lokale Wasserkomitees und Beteiligungsformate sollen dazu beitragen, dass die Lösungen langfristig funktionieren. Erfahren Sie mehr über das Projekt, seine Wirkung und die Menschen dahinter. Bild: © Habitat for Humanity ZambiaADRA in Äthiopien: Kinderklinik in Mekele ausbauen Nach Jahren des bewaffneten Konflikts sind viele Gesundheitseinrichtungen in der Region Tigray beschädigt und der Zugang zu medizinischer Versorgung erschwert. Unsere Mitgliedsorganisation ADRA unterstützt deshalb den Ausbau einer Kinderklinik in Mekele. Fünf neue Räume, medizinische Geräte und ein Ultraschallgerät sollen die Versorgung verbessern; gleichzeitig wird das Fachpersonal weitergebildet. Eine Photovoltaikanlage sorgt zudem für eine zuverlässige Stromversorgung. So soll die Klinik künftig rund 28.000 Kinder besser versorgen können. Erfahren Sie mehr über das Projekt, seine Wirkung und die Menschen dahinter. Das Hunger Projekt in Ghana: Gesundheit von Müttern und Kindern stärken Für Mütter und Kinder ist der Zugang zu guter Gesundheitsversorgung besonders wichtig. Doch gerade in ländlichen Regionen Ghanas fehlt es vielerorts an medizinischem Personal und gut ausgestatteten Gesundheitseinrichtungen. Das Hunger Projekt setzt gemeinsam mit dem ghanaischen Gesundheitsamt deshalb auf langfristige Stärkung: Gesundheitsfachkräfte werden aus- und weitergebildet, Gesundheitskliniken mit medizinischen Geräten ausgestattet und Mütter und Familien zu Ernährung und Gesundheit geschult. So sollen die Qualität der Gesundheitsversorgung verbessert und Mütter- und Kindersterblichkeit reduziert werden. Erfahren Sie mehr über das Projekt und darüber, wie Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder nachhaltig gestärkt werden kann. Bild: © The Hunger Project GhanaKinderhilfswerk GLOBAL CARE in Uganda: Medizinische Versorgung auf dem Land Wer in einer abgelegenen ländlichen Region lebt, hat nicht immer einen Gesundheitsdienst in erreichbarer Nähe. Unsere Mitgliedsorganisation Kinderhilfswerk GLOBAL CARE unterstützt deshalb gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen fünf Gesundheitszentren in Uganda. Dort erhalten Menschen unter anderem medizinische Grundversorgung, Impfungen und Unterstützung bei der Behandlung von Krankheiten wie Malaria und Unterernährung. In Mawanga gehört außerdem eine Entbindungsstation zum Angebot, die Frauen eine medizinisch begleitete Geburt ermöglicht. Erfahren Sie mehr darüber, wie lokale Gesundheitsstrukturen gestärkt werden und medizinische Versorgung auch in ländlichen Regionen zugänglicher wird. Bild: © Kinderhilfswerk GLOBAL CARE