Triggerwarnung: Diese Veröffentlichung enthält Informationen und Beschreibungen zu Gewalt gegen Frauen und Kinder, einschließlich sexueller Gewalt. Hintergründe Am 15. April 2023 brach im Sudan ein Bürgerkrieg zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) aus. Der Konflikt hat sich seitdem zu einer der schwersten humanitären Krisen weltweit entwickelt. Schätzungen zufolge wurden bereits rund 150.000 Menschen getötet und zwischen 12 und 14 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Zudem sind mehr als 19 Millionen Menschen von Hunger bedroht, und etwa drei Viertel der Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Beide Konfliktparteien werden beschuldigt, schwerwiegende Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte zu begehen. Besonders alarmierend ist der zunehmende Einsatz sexualisierter Gewalt als Kriegswaffe gegen die Zivilbevölkerung, insbesondere gegen Frauen und Kinder.Sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe Berichte verschiedener internationaler Organisationen zeigen, dass Frauen und Mädchen im Sudan in alarmierendem Ausmaß von sexualisierter Gewalt, Ausbeutung und Menschenhandel betroffen sind – sowohl in den direkten Konfliktgebieten als auch während der Flucht und in den Aufnahmeländern. Geschlechtsspezifische Gewalt ist zu einem zentralen Bestandteil der Kriegsführung geworden. Rund 12 Millionen Menschen im Sudan sind von geschlechtsspezifischer Gewalt bedroht. Die dokumentierten Fälle bilden jedoch nur einen Bruchteil des tatsächlichen Ausmaßes sexualisierter Gewalt im Sudan ab. Viele Überlebende und ihre Familien sind aus unterschiedlichen Gründen nicht bereit oder nicht in der Lage, Übergriffe zu melden. Häufig erschweren fehlender Zugang zu Hilfsangeboten, Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung sowie die Sorge, von der eigenen Familie oder Gemeinschaft ausgegrenzt zu werden, eine Anzeige. Hinzu kommt die Furcht vor Vergeltungsmaßnahmen durch bewaffnete Gruppen sowie Zweifel daran, dass Vertraulichkeit und Schutz gewährleistet werden können.Flucht und humanitäre Lage Die Menschen im Sudan leben zunehmend unter Bedingungen, die mit grundlegenden Überlebensbedürfnissen kaum vereinbar sind. Besonders in aktiven Konfliktgebieten fehlt es häufig an Zugang zu Nahrung, Unterkünften und medizinischer Versorgung, da Kämpfe und Blockaden die humanitäre Hilfe stark einschränken. Sexualisierte Gewalt wird gezielt als Kriegswaffe eingesetzt, um Angst, Demütigung und Kontrolle über Frauen, Mädchen und ganze Gemeinschaften auszuüben. Berichtet wird unter anderem von Vergewaltigungen in Anwesenheit von Familienangehörigen sowie von zusätzlicher schwerer körperlicher Gewalt gegen Betroffene oder Personen, die eingreifen wollen. Die Bedrohung und Brutalität dieser Gewalt führen dazu, dass viele Frauen und Mädchen ihre Heimat verlassen und in andere Regionen fliehen. Dort suchen sie oft Schutz in informellen Unterkünften oder überlasteten Gemeinden, in denen das Risiko sexualisierter Gewalt weiterhin hoch bleibt. Zwischen Engagement und Unsichtbarkeit Trotz der extremen Belastungen und unsicheren Lebensbedingungen spielen sudanesische Frauen eine zentrale Rolle in der humanitären Hilfe und in lokalen Friedensinitiativen. Viele dieser Beiträge bleiben jedoch weitgehend unbeachtet und unterfinanziert. Laut UN Women berichten 99 Prozent der befragten frauengeführten Organisationen im Sudan von erheblichen Umsetzungsproblemen, die vor allem auf fehlende Finanzierung, Einschränkungen durch Behörden sowie die unsichere Sicherheitslage zurückzuführen sind. Zudem gab etwa jede fünfte in solchen Organisationen tätige Frau an, Drohungen erhalten zu haben. Frauen sind weiterhin weitgehend von formellen Friedensprozessen und politischen Entscheidungsstrukturen ausgeschlossen. Dabei ist ihre gleichberechtigte und umfassende Teilhabe entscheidend für nachhaltige Deeskalation und langfristigen Frieden. Es wird zunehmend deutlich, dass ein Wiederaufbau und eine Stabilisierung nicht möglich sind, solange Frauen unsichtbar bleiben, ausgeschlossen werden und unzureichend unterstützt werden. UN Women fordert daher die internationale Gemeinschaft auf, entschlossener zu handeln. Dazu gehören ein besserer Schutz von Frauen und Mädchen, die strafrechtliche Verfolgung sexualisierter Gewalt und anderer Menschenrechtsverletzungen. Außerdem eine deutliche Erhöhung der direkten finanziellen Unterstützung für frauengeführte Organisationen sowie die volle, gleichberechtigte und wirksame Beteiligung von Frauen an allen Friedensprozessen. QuellenAktion gegen den Hunger: Die Auswirkungen des Konflikts auf Frauen und Mädchen im Sudan (März 2026)Amnesty International: Sudan: Sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen durch RSF-Miliz (April 2025)DW: Sudan: Vergewaltigungen als Kriegswaffe (Juli 2024)UNICEF: Sexualisierte Gewalt im Sudan (März 2025)UNICEF: Sudan’s child rape and sexual violence crisis (März 2025)UNWOMEN: Remarks by Anna Mutavati (April 2026)UNWOMEN: Sudan war: Inside the world’s worst humanitarian and protection crisis for women and girls (April 2026)Beitragsbild: © EU/ECHO/Malini Morzaria via flickr / CC BY-SA 2.0